Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

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  • Lesegruppen erlebten Ende des 20. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung in Grossbritannien. Gründe dafür sind einerseits der seit jeher hohe Stellenwert von Literatur allgemein im öffentlichen und privaten Leben der britischen Bevölkerung, andererseits wurden von der Politik gezielt Rahmenbedingungen und Fördermassnahmen geschaffen, die den Boom vorantrieben. Zu Grunde liegendes politisches Konzept ist das «reader development», eine Art der Literaturförderung, die direkt den LeserInnen zu Gute kommt. Seitens der Bibliotheken, Verlage und Buchhandlungen wurde rasch erkannt, dass Lesegruppen grosses wirtschaftliches Potential bergen. Nicht zuletzt wurde der Boom auch noch durch die Massenmedien Fernsehen, Radio und Presse verstärkt, die sowohl selbst Lesegruppen gründeten und darüber berichteten als auch mit speziellen Formaten bereits vorhandene Lesegruppen bei der Lektüreauswahl unterstützten und mit interessanten Hintergrundinformationen und anderen Bonussen versorgten. (DE)
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  • Im Projekt «Fremde Welten» von Baobab Books lesen und beurteilen ehrenamtliche LeserInnen aus unterschiedlichen Fachgebieten Kinder- und Jugendbücher aus fremden Kulturen und zu Rassismus, Migration und Interkulturalität. Die Kriterien, die den LeserInnen bei der Auswahl helfen, wurden seit der Gründung der Lesegruppen im Jahr 1975 immer wieder aktualisiert, sind jedoch in ihrem Kern unverändert geblieben. Die im Verzeichnis «Fremde Welten» empfohlenen Titel ermöglichen eine offene Begegnung mit anderen Kulturen und zeigen verschiedene Aspekte der kulturellen Vielfalt und des interkulturellen Zusammenlebens auf. Mit diesem Projekt möchte Baobab Books zum Nachdenken über das kulturelle Selbstverständnis anregen. Der folgende Bericht gibt einen Einblick in die Arbeitsweise der Lesegruppen.

    (DE)
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  • Die Autorinnen haben im Herbst 2010 20 Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern im Kanton Freiburg (Schweiz) nach ihren Formen zur Gestaltung des Einstiegs ins Lesen befragt. Untersucht wurden ihre pädagogischen Vorstellungen und impliziten Theorien. Der Bericht stützt sich auf teilstrukturierte Interviews von je 45 bis 60 Minuten. Eine qualitative sowie eine Inhalts- und Kategorienanalyse zeigten folgende Ergebnisse:
    Auf der Ebene der impliziten Theorien sind sich die Lehrkräfte der Spannung bewusst, die zwischen der Neugier und dem Wissensdurst der Kinder und ihren eigenen Befürchtungen besteht, sich im Kindergarten schon mit Stoff der Primarschule zu befassen. Im Alltag verwenden alle Lehrpersonen die üblichen Praktiken rund um Vornamen und bekannte Wörter für den Erwerb des Alphabets. Bilderbücher werden vorrangig dazu eingesetzt, die Lesekultur zu fördern, Die Lehrpersonen schreiben nach einem Ausflug oder einer Begegnung auf, was die Kinder diktieren. Ebenso werden Aktivitäten zur Förderung des phonologischen Bewusstseins auf der Ebene der Laute und Rhythmen offenbar regelmässig eingesetzt. Andere Methoden  wie Unterricht in mündlichem und schriftlichem Verstehen oder zufällig sich ergebende Schreibsituationen werden selten genannt, und Gespräche zu philosophischen Themen werden gar nicht erwähnt.
    Im Hinblick auf die pädagogischen Vorstellungen der Lehrpersonen lässt sich angesichts unserer theoretischen Verankerung folgende Schlussfolgerung ziehen: Für die Entwicklung der literalen Kompetenzen der Kinder ist die Förderung der mündlichen Sprache zentral. Dabei zeigt sich eine neue Fragestellung: Wie ist es möglich, die von den Lehrerpersonen festgestellten Unterschiede zwischen den Kindern zu verringern? Die Autorinnen schlagen vor, die in der Literatur empfohlenen und in der Praxis umgesetzten Praktiken zu dokumentieren und fortzuführen sowie die Bildung von Gruppen zu fördern, die den Erfahrungsaustausch und die Analyse der eigenen Praxis unter Lehrpersonen ermöglichen, um auf diese Weise pädagogische Innovationen zu unterstützen.
    (FR)
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